Dem Ätna “aufs Dach gestiegen”

– Ein Bericht von der Lauftreff-Reise nach Sizilien –

(Jochem Fornoff)

Die “Lauf-Treff-Gemeinschaft Eberstadt” startete am 26. April 2009 mit einer Gruppe von 33 Teilnehmern zu ihrer 24. Lauftreff-Reise, die diesmal Sizilien zum Ziel hatte. Nach dem Flug von Frankfurt nach Catania brachte uns ein Bus zu unserem Hotel in Giardini Naxos, wo wir in sog. “Villetten” (kleinen Villen) in der weitläufigen Hotelanlage untergebracht waren.

Am darauffolgenden Tag führte uns ein Halbtagesausflug (quasi als “Eingewöhnungs-tour”) in die nahegelegene Stadt Taormina, die hoch über dem Meer gelegen ist und eine herrliche Aussicht auf den Ätna und auf das weite Meer bietet. Beeindruckend waren die Ausmaße des antiken Theaters, das aus hellenistischer Zeit stammt und mit einem Durch-messer von 109 m das zweitgrößte klassische Theater auf Sizilien darstellt. Den freien Nachmittag nutzen viel Teilnehmer dazu, das Hotel und seine Umgebung in Naxos zu erkunden.

Der erste große Tagesausflug ging zunächst nach Enna, ein malerisches Städtchen in fast 1000 m Höhe und eine der ältesten Ansiedlungen der Insel. Hier besichtigten wir das Castello di Lombardia (die wohl schönste Burg Siziliens), den Dom und den Torre di Frederico II. Nach der Weiterfahrt erreichten wir Agrigent, das heute wichtigste archäologische Gebiet Siziliens. Wir waren besonders beeindruckt von den 20 Sakral-bauten im “Tal der Tempel”, wobei der Begriff “Tal” eigentlich irreführend ist, denn die antiken Tempel stehen alle auf einem Bergrücken. Seltsam mutete der Steingigant von Agrigent an, den es im Museo Archeologico Regionale zu bestaunen gab.

Auch der 3. Tag unseres Aufenthaltes hatte Ziele im Landesinneren: Piazza Amerino und Caltagirone. Im erstgenannten Städtchen stand vor allem die Besichtigung der Ausgrabungen einer kaiserlichen Villa auf dem Programm. Hier findet man die berühmtesten Mosaiken Italiens, von denen die “Bikini-Mädchen” weltbekannt wurden. Caltagirone ist die “Stadt der Keramik” und wird auch “Burg der Vasen” genannt. Hier reiht sich ein Keramikladen an den anderen. Mit Interesse konnten wir den Frauen bei der Arbeit zuschauen, die die farbenfrohe Keramikbemalung vornahmen.

Die längste Tour stand am darauffolgenden Tag an: es ging quer über die Insel nach Palermo und Monreale. Im Dom von Monreale beeindruckte die Ausdehnung der Mosaiken auf Goldgrund. In unmittelbarer Nachbarschaft schlenderten wir durch den wunderschönen Kreuzgang des Benediktiner-Klosters mit seinen 228 Doppelsäulen. Die Weiterfahrt nach Palermo gestaltete sich infolge eines unvergleichlichen Verkehrschaos zu einem Geduldspiel, bis wir endlich die Kathedrale mit ihren Kaisergräbern (u. a. Friedrich II.) erreichten. Eine Stadtrundfahrt schloss unseren Besuch Palermos ab, bevor wir am späten Nachmittag wieder nach Naxos zurückkehrten.

Am nächsten Tag (1. Mai) war uns der Wettergott hold, so dass unser Ausflug zur Spitze des Ätnas zu einem unvergleichlichen Erlebnis wurde. Unser Bus brachte uns zur Seilbahn-Station in einer Höhe von ca. 1950 m. Infolge der günstigen Witterung wollten natürlich ganze Touristenscharen auf den Ätna, so dass unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt wurde, bevor wir mit der Kabinenbahn in eine Höhe von rund 2600 m befördert wurden. Kleine Busse brachten uns dann in die Gipfelregionen (ca. 3000 m). Auf diesen Wegen kamen wir durch ausgedehnte Schneegebiete, in denen die Fahrwege nur durch Schneefräsen freigehalten werden konnten. Unser Fußmarsch in die Gipfel-regionen mit seinen erloschenen Kratern war begleitet von einem eisigen, schneidenden Wind. Zum Glück konnte man sich aber an warmem Lavagestein Hände und Füße wieder etwas aufwärmen. An diesem Tag gab es erfreulicherweise nur wenige Wolken, so dass man aus dieser Höhe tief unten die Stadt Catania und das Meer sehen konnte. Dieser Ausflug zählte gewiss zu den absoluten Höhepunkten unserer gesamten Sizilien-Reise.

Am vorletzten Tag unseres Aufenthaltes fuhren wir “zum Ausklang” nach Catania, um nach einem Spaziergang über den quirligen Markt den dortigen Dom zu besichtigen. Hier standen wir vor dem Grag des berühmten catanesischen Komponisten Vincenzo Bellini, der u. a. die Oper “Norma” schuf. Auf dem Domplatz (Piazza del Duomo) davor bewunderten wir das Wahrzeichen der Stadt, den “Elefantenbrunnen”. Er ist eine Vereinigung von ägyptischer, römischer und barocker Kunst, denn der Elefant besteht aus schwarzer Lava (aus römischer Zeit) und einem Obelisken, der aus Ägypten stammt. Danach ging es weiter nach Süden zur wichtigsten griechischen Stadt auf Sizilien: Syrakus, das seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die dortige Kathedrale steht im alten Stadtkern, der sich auf der Insel Ortygia befindet. Es schloss sich ein ausge-dehnter Besuch des archäologischen Parks an. Wir saßen auf den Stufen des römischen Amphitheaters, eine der größten Anlagen der Antike. Natürlich erprobten wir auch die außergewöhnliche Akustik im “Ohr des Dionysios”, ein über 20 m hoher Felsspalt, durch den man in eine ausgedehnte Höhle gelangt.

Unseren Rückreisetag (3. Mai) konnten die Teilnehmer nach eigenem Gusto gestalten, denn diese Zeit war programmlos. Viele nutzen diesen Freiraum zu einem Bummel durch Naxos oder zu einer beschaulichen Pause am Sandstrand von Naxos. Spätabends kehrte die Gruppe wieder nach Darmstadt zurück mit der Gewissheit, wunderbare und erlebnis-reiche Tage auf Sizilien verbracht zu haben.

Mit Überzeugung können wir sagen: Sizilien ist eine Reise wert!

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